Von verpassten Chancen und gestohlenen Liedern

„Jo dött wos schön isch..“ ertönte kurz nach dem Spielende lautstark in der Kirchwies-Halle in Egg, doch nicht etwa die Herisauer grölten im geschlossenen Spielerkreis die Hymne, Pfannenstiel adaptierte kurzerhand das Siegeslied der Appenzeller, nicht das erste mal in dieser Saison.

Silvan Stern

Matchbericht

Vor nicht allzu langer Zeit wurde über ebendiese Affiche geschrieben, das beste Herisau gegen das beste Pfannenstiel aller Zeiten würden im Playoff-Viertelfinal gegeneinander antreten. Stand jetzt muss aber eine dieser Aussagen revidiert werden. Die Zürcher haben ihr Spiel noch einmal perfektioniert, wirken noch sicherer, noch erfolgshungriger, noch kaltblütiger. Ich behaupte: dieses Pfannenstiel ist besser als das Letztjährige. Mit grosser Laufbereitschaft, viel Aggressivität und Disziplin zeigte das Heimteam den Gästen gnadenlos auf, wieso man diese Saison um einen Playoffplatz zu kämpfen hat. Nicht das der UHC Herisau chancenlos gewesen wäre. Doch im Moment fehlt den Ostschweizern vor allem die Kaltblütigkeit, die Effizienz.

Lange war das Spiel relativ ausgeglichen. Nachdem Egg die Herisauer in den ersten Einsätzen regelrecht überfuhr, bekamen die Gäste den Gegner langsam besser in den Griff. Mit ihrem einfachen Spiel, der taktischen Flexibilität, grossem Einsatz, einem überdurchschnittlichen Torwart und gefährlichen Abschlüssen war der Tabellenführer schlicht eine Nummer zu gross. Kurz nach Spielhälfte bot sich dem UHC Herisau aber die Chance, die Partie doch noch drehen zu können. Pfannenstiel vermochte, oder wollte, das hohe Tempo der ersten 30 Minuten nicht mehr mit der gleichen Konsequenz gehen und liessen die Gäste Druck aufbauen. Wie bereits erwähnt fehlte es aber, nicht nur in dieser Phase, daran, die zum Teil sehr guten Möglichkeiten auszunutzen.

So warteten die Gastgeber geduldig ab um schliesslich mit ihrem Konterspiel die Partie zu entscheiden. Der Sieg, auch in dieser Höhe absolut verdient, ist das logische Ergebnis des Weges, den die Zürcher eingeschlagen haben. Die Fortschritte sind von Begegnung zu Begegnung sichtbar, das Team ausgeglichen, technisch versiert. Sie sind dem UHC Herisau im Moment überall zwei Schritte voraus, ausser vielleicht bei dem waghalsigen Unternehmen, die Heimspiele per Live-Ticker der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Spieltelegramm

Pfannenstiel Egg - UHC Herisau 7:3
Kirchwies, Egg b. Zürich. 75 Zuschauer. SR Brander/Schmocker.